Dök Architektur

Regionales Wohndesign und Gemeinschaftsräume

Die Gestaltung von Wohnungen und Gemeinschaftsräumen prägt die Art und Weise, wie Gemeinschaften miteinander umgehen, und spiegelt sowohl kulturelle Werte als auch ökologische Zwänge wider. Von den hofzentrierten Grundrissen Südeuropas über die vertikalen Sozialräume Nordamerikas bis hin zu den kompakten Mikrogärten Ostasiens schaffen architektonische Traditionen und städtebauliche Strategien in verschiedenen Regionen unterschiedliche Möglichkeiten für soziale Kontakte.

Regionale Unterschiede

Südeuropa

In Ländern wie Spanien und Italien wird aufgrund des warmen Klimas und der sozialen Traditionen seit langem das Wohnen im Innenhof bevorzugt. Die neue Genossenschaft La Borda in Barcelona beispielsweise umgibt 28 Wohnungen mit einem offenen zentralen Innenhof und gemeinsamen Dachterrassen. Dies spiegelt ältere Typologien wider: Im italienischen sozialen Wohnungsbau der Mitte des 20. Jahrhunderts (z. B. das INA-Tuscolano-Projekt in Rom) wurden 6- bis 8-stöckige Blöcke mit Innengärten verwendet, in denen auch Schulen und Geschäfte untergebracht waren.

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden in historischen griechischen Stadtvierteln wie Nikea kleine 35 m² große Wohnungen um gemeinschaftliche Innenhöfe herum gebaut (mit Gemeinschaftswäschereien und Kinderspielplätzen). Diese Innenhöfe sorgen für eine natürliche Kühlung der Gebäude und dienen den Bewohnern als halböffentliche Foyers, die das nachbarschaftliche Miteinander und gemeinsame Aktivitäten (Gartenarbeit, Kinderspiele, abendliche Zusammenkünfte) fördern.

Nord-Amerika

In Nordamerika hingegen wird der soziale Raum häufig vertikal oder an die Vorderseite der Gebäude verlegt. Hoch- oder Mittelhäuser in Städten wie New York kompensieren die begrenzte Grundfläche oft durch gemeinschaftliche Dachterrassen. Die Via Verde Residenzen in der Bronx bieten beispielsweise Gemeinschaftsgärten auf dem Dach und einen zentralen Innenhof mit einer Lounge im obersten Stockwerk sowie einen Spielplatz und ein Amphitheater. All diese Einrichtungen stehen allen Bewohnern zur Verfügung und spiegeln den Schwerpunkt der Entwickler auf „soziale Nachhaltigkeit“ durch gemeinsam genutzte Räume wider.

Auch bei den traditionellen Reihenhäusern in den USA ist der vordere Treppenabsatz eine halböffentliche Erweiterung des Hauses. Jane Jacobs stellte fest, dass die Landungen der Brownstones (erhöhte Eingangsstufen) als „Amphitheater der Nachbarschaft“ fungieren, wo sich die Nachbarn treffen und das Leben auf der Straße beobachten. Die amerikanische Designkultur neigt dazu, die Privatsphäre des Einzelnen zu belohnen (durch Rücksprünge, private Innenhöfe oder sichere Eingänge), und behandelt Gemeinschaftsräume oft als zusätzliche Annehmlichkeiten und nicht als Bestandteil des Blocklayouts.

Ostasien

Dicht besiedelte Städte wie Tokio müssen mit einem Minimum an Freiflächen auskommen. Die Wohnungen haben oft nur schmale Balkone, die Architekten als „Mikrogärten“ nutzen. Bei einem Projekt in Tokio beispielsweise werden Balkone nicht auf die Wohnfläche angerechnet, so dass jede Wohnung über eine kleine bepflanzte Terrasse verfügt. Diese kleinen Balkone (wie die traditionelle Engawa-Terrasse in Japan) verwischen die Grenzen zwischen Innen- und Außenbereich, dienen aber in der Praxis eher der persönlichen Nutzung (Wäschetrocknen, Blumentöpfe) als dem geselligen Beisammensein.

Doch es entstehen Gemeinschaftsräume: Viele Hochhäuser in Asien verfügen über Gemeinschaftsgärten oder Dachterrassen, um der überfüllten Stadt zu entkommen. All dies wird durch die Bauvorschriften beeinflusst: In Tokio sind Balkone erlaubt, was die Begrünung von Fassaden fördert, während in New York Treppen und Aufzüge für den Zugang zum Dach vorgeschrieben sind und die Gestaltung von Terrassen beeinflussen. Auch kulturelle Einstellungen spielen eine Rolle. In einigen Gesellschaften ist die Privatsphäre extrem wichtig: Wie in einer Studie über jordanischen Wohnraum festgestellt wurde, ist „die Privatsphäre tief in den kulturellen und religiösen Werten verankert, und es herrscht der Grundsatz vor, dass das Familienleben von außen nicht einsehbar ist“. Solche Normen führen dazu, dass die Planer in diesen Regionen Gemeinschaftsbereiche oft einschränken oder stark abschirmen. Im Gegensatz dazu akzeptieren die Südeuropäer gemeinsame Höfe und Plätze im Alltag eher, was ein anderes nachbarschaftliches Ethos widerspiegelt.

Städtische Morphologie und Aktivierung des Sozialraums

Unterschiedliche Block- und Straßengrundrisse schaffen sehr unterschiedliche Möglichkeiten für zufällige Begegnungen. In Barcelonas Stadtteil Eixample ist das regelmäßige Raster mit achteckigen („abgeschrägten“) Ecken eindeutig darauf ausgelegt, Kreuzungen zu öffnen und die Sicht zu verbessern. Ursprünglich hatte jeder Block einen zentralen Innenhof und zahlreiche Lichtschächte, und die Gebäudehöhen wurden moderat gehalten, damit alle Einheiten Tageslicht erhalten. Die Erdgeschosse waren gewerblich (Geschäfte, Cafés) und die oberen Stockwerke wohnlich genutzt, so dass auf der Straße ständig etwas los war.

Auf dieser Grundlage baut heute Barcelonas „Superblock“-Initiative (Superilla) auf: Gruppen von ursprünglich 3×3 Blöcken werden für den Verkehr gesperrt, und die inneren Straßen werden in Fußgängerplätze und Fahrradwege umgewandelt. Die Planer betonen, dass Einrichtungen und öffentliche Räume in einem Umkreis von 10 Minuten von den Bewohnern zu Fuß erreichbar sein sollten, um den sozialen Zusammenhalt zu fördern. Tatsächlich kombiniert das Eixample-Modell ein feinkörniges Raster (Maximierung von Kreuzungen und Fassaden) mit integrierter gemischter Nutzung, so dass an vielen Knotenpunkten (Geschäfte, abgeschrägte Plätze, Innenhöfe) zwanglose Zusammenkünfte stattfinden können.

In Städten mit Blockrandbebauung wie Berlin oder Paris bilden die Gebäude feste Ränder um private Innenhöfe. Die historischen Berliner Höfe sind ein gutes Beispiel dafür: Hinter den straßenseitigen Wohnblöcken befinden sich tiefe Höfe, die einst nach sozialen Schichten geteilt waren.

Heute befinden sich in diesen Innenhöfen oft Gärten, Werkstätten, Cafés und dergleichen. Wie ein Autor schreibt, beherbergen die Berliner Innenhöfe „Wohnungen, Büros, Werkstätten, Geschäfte, Läden, Galerien, Cafés und Gärten… Sie bringen auf einzigartige Weise Energie in das Berliner Straßenleben“. Mit anderen Worten: Diese halbprivaten Höfe fungieren als versteckte Miniplätze für die Bewohner. Die Eingänge und Durchgänge im Erdgeschoss, die sich zur Straße hin öffnen, bieten den Passanten einen Einblick in dieses Innenleben. Die Durchlässigkeit dieser Blöcke (offene Durchgänge versus kontrollierte Durchgänge) und die Transparenz der Fassaden (Einzelhandelsfassaden versus leere Wände) haben einen großen Einfluss auf die Lebendigkeit. Wenn interne Durchgänge offen oder zumindest sichtbar sind und interne Balkone oder Galerien den Blick auf Gemeinschaftsgärten freigeben, fühlen sich die Menschen eingeladen, zu verweilen oder durchzugehen, da öffentliche und private Räume miteinander verbunden sind.Heute befinden sich in diesen Innenhöfen oft Gärten, Werkstätten, Cafés und dergleichen. Wie ein Autor schreibt, beherbergen die Berliner Innenhöfe „Wohnungen, Büros, Werkstätten, Geschäfte, Läden, Galerien, Cafés und Gärten… Sie bringen auf einzigartige Weise Energie in das Berliner Straßenleben“. Mit anderen Worten: Diese halbprivaten Höfe fungieren als versteckte Miniplätze für die Bewohner. Die Eingänge und Durchgänge im Erdgeschoss, die sich zur Straße hin öffnen, bieten den Passanten einen Einblick in dieses Innenleben. Die Durchlässigkeit dieser Blöcke (offene Durchgänge versus kontrollierte Durchgänge) und die Transparenz der Fassaden (Einzelhandelsfassaden versus leere Wände) haben einen großen Einfluss auf die Lebendigkeit. Wenn interne Durchgänge offen oder zumindest sichtbar sind und interne Balkone oder Galerien den Blick auf Gemeinschaftsgärten freigeben, fühlen sich die Menschen eingeladen, zu verweilen oder durchzugehen, da öffentliche und private Räume miteinander verbunden sind.

Im Gegensatz dazu erschweren offene oder modernistische Superblöcke (man denke an Le Corbusiers Türme in einem Park oder an viele Wohnsiedlungen der Nachkriegszeit) eher spontane Begegnungen. Hier stehen die Häuser oder Türme verstreut mit Rasenflächen oder Parkplätzen dazwischen; oft gibt es kein feines Straßenraster und die Eingänge können hinter der Landschaft versteckt sein.

Jane Jacobs wies darauf hin, dass es solchen Siedlungen an „kurzen Blöcken, einer dichten Bebauung und einer vielfältigen Nutzung“ fehlt, die für das Leben auf der Straße notwendig sind. Ohne Durchlässigkeit oder einladende Schwellen können die Bewohner nur an geplanten Knotenpunkten (Spielplätze, Gemeindezentren) interagieren, nicht aber in jedem Block. In jüngster Zeit haben Stadtplaner darauf reagiert, indem sie Plätze, Fußgängerwege und lokale „urbane Räume“ in neue Entwicklungen einführten. So gibt es bei vielen gemischt genutzten Projekten jetzt bewusste Treffpunkte: einen Platz im Erdgeschoss eines Einkaufskomplexes, einen Innenhof in einem Wohnblock oder eine „Agora“ zwischen den Gebäuden. Sogar innerhalb von Gebäuden schaffen die Designer „vertikale Lobbys“: Bei einer Renovierung in den Niederlanden wurde ein mehrstöckiges Treppenhaus mit breiten Stufen eingebaut, damit sich die Mitarbeiter auf dem Weg nach oben begegnen können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Rastermuster und Massierungen, die Kreuzungen und Kanten maximieren (und einen Übergang von der privaten Wohnung zur öffentlichen Straße schaffen), alltägliche soziale Begegnungen fördern, während isolierende Superblöcke oder Blocks mit Gittern diese eher unterdrücken.

Architektonische Details, die Begegnungen begünstigen

Auf der Ebene des Gebäudes können bestimmte Elemente spontane Begegnungen choreografieren, indem sie einladende Haltepunkte und Sichtachsen schaffen. Breite Treppen sind ein Beispiel dafür. Im Büro von Evernote ist eine große, weiße, aschfarbene Treppe zwischen den Etagen von gepolsterten Sitzbänken auf den breiten Stufen flankiert. Diese „breite Treppe ist mit gepolsterten Sitzstufen ausgestattet“ und wird so zu einem natürlichen Ort, an dem die Mitarbeiter unterwegs sitzen und sich unterhalten können. In ähnlicher Weise verfügt das NeueHouse Co-Working Space in NYC über eine gestufte „Spanische Treppe“ in der Eingangslobby – eine Betontreppe, die als Sitzgelegenheit für informelle Arbeit oder Veranstaltungen dient. Durch die Gestaltung der Treppe als gestufte Sofas oder Amphitheater verwandeln die Architekten einen Durchgang in ein soziales Zentrum mit eingebauten Haltepunkten und Sichtachsen.

Galerien und Balkone im Freien mobilisieren auch die Gemeinschaft. Bei der Renovierung von Sozialwohnungen durch Lacaton & Vassal (Frankreich) wurden bestehende Türme mit großzügigen verglasten Balkonen und „Wintergärten“ ausgestattet. Dadurch verdoppelte sich die Wohnfläche jeder Wohnung und es entstanden gemeinsame Bereiche, in denen sich die Bewohner treffen konnten. Wie Lacaton erklärt, ist „gute Architektur offen für das Leben“ – indem sie Veranden anbauten, anstatt sie abzureißen, boten sie den Mietern einen flexiblen halboffenen Raum, an den sich die Bewohner anpassen konnten (Pflanzen anbauen, sich unterhalten, Wäsche trocknen).

In traditionellen Umgebungen ist die engawa ein Beispiel dafür: engawa ist eine hölzerne Veranda mit einem Dach, das den Innenraum zum Garten hin erweitert. Sie ist buchstäblich „ein Raum zwischen drinnen und draußen“; Nachbarn können hier Tee trinken oder die Brise genießen (siehe Bild unten). Solche geschichteten Schwellen verwischen das Private/Öffentliche: Man bewegt sich allmählich vom Haus zur engawa und zur Straße, wodurch zwanglose Begrüßungen natürlicher werden.

Form: Eine traditionelle japanische Engawa (Veranda) erweitert den Innenraum unter dem Dachvorsprung nach außen und bietet einen Raum für ganzjährige Entspannung und gemütliche Gespräche.

Allgemeiner ausgedrückt, laden geschichtete Schwellen – wie Treppenabsätze, Veranden oder halboffene Eingangsbereiche – zum Kontakt ein. Wenn ein Gebäudeeingang zwischen der Straße und der Wohnung liegt (z. B. auf einem Treppenabsatz in einem Stadthaus oder in einer zurückgesetzten Lobby), treffen Passanten und Hausbewohner auf natürliche Weise aufeinander. Auch subtile Vorrichtungen wie vorspringende Balkone oder doppelt so hohe Flure können Pausen schaffen: Das Rolex Learning Centre von SANAA (EPFL) verwendet geschwungene Rampen und 14 verglaste Atrien anstelle von geschlossenen Korridoren.

Diese sanft abfallenden Wege und „Sozialraum“-Höfe ermöglichen es den Menschen, sich auf allen Ebenen problemlos zu begegnen. SANAA beschreibt das Gebäude als einen „intimen öffentlichen Raum“, der „informelle Begegnungen“ in seinem fließenden Inneren fördern soll. Kurz gesagt, die Architekten verwischen die Grenzen zwischen Verkehr und Wohnraum durch breite Stufen, offene Galerien, Terrassen oder Veranden in der Mitte des Stockwerks und schaffen so Möglichkeiten für Sichtachsen und spontane Dialoge, während sie gleichzeitig die Zugänglichkeit und die Wahlmöglichkeiten der Nutzer respektieren.

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